Demokratiephysik für die Kinder und Jugendhilfe

GLOSSAR – MODUL 2: FORMELN, MODELLE & MESSWERTE

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1. H = P / C (Grundformel)

​Definition: Das Maß an realisierter Menschlichkeit (H) im System.

​Systemische Einordnung: H ist der Zielwert. Es ist ein dynamisches Gleichgewicht, kein statischer Zustand.

​Bezug: Um H bei steigender Macht (P) stabil zu halten, muss die Kontrolle (C) proportional mitwachsen. Ein Sinken von H bedeutet, dass das System in Richtung Anomie oder Autoritarismus driftet.

​2. Machtindex (P)

​Definition: Die quantifizierte „Masse“ an Eingriffsbefugnissen und Entscheidungsgewalt.

​Systemische Einordnung: Macht ist eine konstante Größe im sozialen Raum, die Strukturen krümmt.

​Bezug: Ein hoher Machtindex erfordert zwingend einen hohen Kontrollindex, um die Krümmung (Verzerrung) zu kompensieren.

​3. Kontrollindex (C)

​Definition: Die „Gegenkraft“ zur Macht; Transparenz, Gewaltenteilung und Rechtsmittel.

​Systemische Einordnung: Kontrolle ist die Infrastruktur, die verhindert, dass Macht in Willkür kollabiert.

​Bezug: Wenn C stagniert, während P wächst, nähert sich H dem kritischen Bereich der Entartung.

​4. Verfahrenslast

​Definition: Der auf Betroffene ausgeübte Druck durch die Systemdichte.

​Bezug: Hohe Verfahrenslast maskiert oft einen Mangel an echter Kontrolle (C), indem sie die Akteure mit Formalien beschäftigt, statt ihre Handlungen zu prüfen.

​5. Verfahrensrisiko

​Definition: Die Wahrscheinlichkeit eines systemischen Kollapses (Entartung).

​Bezug: Das Risiko ist eine direkte Funktion der MKD (siehe Punkt 9). Je größer die Differenz zwischen P und C, desto instabiler das System.

​6. Verfahrensdichte

​Definition: Frequenz der Eingriffe/Entscheidungen pro Zeiteinheit.

​Bezug: Hohe Dichte erhöht die „Gravitation“ des Systems. Ohne massive Kontrolle (C) führt dies dazu, dass Macht sich ungebremst im Raum ausbreitet.

​7. Verfahrenskomplexität

​Definition: Grad der Vernetzung von Akteuren.

​Bezug: Hohe Komplexität verdeckt Machtzentren. Sie senkt die Transparenz und erschwert es, die notwendige Kontrolle (C) punktgenau anzusetzen.

​8. Eskalationskoeffizient

​Definition: Die Steilheit des Machtzuwachses in einem Konflikt.

​Bezug: Ein hoher Koeffizient bedeutet, dass Macht schneller „krümmt“, als das System Kontrollmechanismen nachziehen kann.

​9. Macht-Kontroll-Differenz (MKD)

​Definition: Die operative Lücke: MKD = P – C.

​Bezug: Dies ist der zentrale Indikator. Ist die MKD positiv, verliert das System seine Menschlichkeit (H). Null-Differenz ist das Ziel für Stabilität.

​10. Institutionelle Reibung

​Definition: Energieverlust bei der Ausübung von Kontrolle.

​Bezug: Reibung ist oft ein Symptom für fehlende Transparenz. Sie schwächt die Wirksamkeit von C.

​11. Institutionelle Verzögerung

​Definition: Zeitliche Diskrepanz zwischen Entscheidung und Kontrolle.

​Bezug: Verzögerung erlaubt es Machtzentren, sich der Kontrolle zu entziehen – die „Lichtgeschwindigkeit“ der Rechtsmittel reicht nicht mehr aus.

​12. Institutionelle Fehlsteuerung

​Definition: Drift der Institution von ihrem Zweck weg.

​Bezug: Tritt auf, wenn die Schwerkraft der Macht (P) die Bahn der Institution aus dem kontrollierten Feld (C) herauszieht.

​13. Institutionelle Überlast

​Definition: Überschreitung der Kapazitätsgrenzen.

​Bezug: Überlast führt zur Reduktion von C (Kontrolle wird oberflächlich), was H drastisch sinken lässt.

​14. Institutionelle Unterlast

​Definition: Fehlende operative Masse.

​Bezug: Führt zu institutioneller Trägheit, in der Macht ungehindert wuchern kann, weil niemand sie ernsthaft herausfordert.

​15. Institutionelle Fehlallokation

​Definition: Ressourcenverteilung entgegen der Kontrollnotwendigkeit.

​Bezug: Wenn Ressourcen in die Aufrechterhaltung der Macht (P) statt in die Kontrolle (C) fließen.

​16. Institutionelle Prioritätsverschiebung

​Definition: Systemische Abweichung vom Kernzweck.

​Bezug: Die Institution beginnt, ihre eigene Macht zu schützen statt das Gemeinwohl zu sichern.

​17. Institutionelle Kapazitätsillusion

​Definition: Selbstüberschätzung der Stabilität.

​Bezug: Blindheit gegenüber dem Absinken von H, da die formale Struktur (P) fälschlicherweise als ausreichende Kontrolle interpretiert wird.

​18. Institutionelle Kompetenzillusion

​Definition: Überschätzung der eigenen fachlichen Distanz.

​Bezug: Machtzentren glauben, ihre Macht sei moralisch neutral, was die Notwendigkeit von externer Kontrolle (C) negiert.

​19. Institutionelle Verantwortungsdiffusion

​Definition: Auflösung der Verantwortungskette.

​Bezug: Macht wird entgrenzt, da sie an keinen konkreten Kontrollpunkt (C) mehr gebunden ist.

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