Demokratiephysik für die Kinder und Jugendhilfe

GLOSSAR – MODUL 2: FORMELN, MODELLE & MESSWERTE

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1. H = P / C (Grundformel)

Definition: Die zentrale Formel: Schaden an Menschlichkeit (H) entsteht, wenn Macht (P) größer ist als Kontrolle (C).

Systemische Einordnung: Macht und Kontrolle sind messbare Größen, keine moralischen Kategorien.

Bezug: Je höher P und je niedriger C, desto größer der Schaden.

Beispiel: Ein Gutachten mit hoher Wirkung (P) und ohne Qualitätskontrolle (C) erzeugt massiven Schaden.

2. Machtindex

Definition: Quantifizierte Darstellung der verfügbaren Machtmittel eines Akteurs.

Systemische Einordnung: Macht wird operationalisiert, nicht gefühlt.

Bezug: Ein hoher Machtindex erhöht P → H steigt.

Beispiel: Jugendamt + Aktenhoheit + Gutachterempfehlung = hoher Machtindex.

3. Kontrollindex

Definition: Messgröße für die Stärke der Kontrollmechanismen im Verfahren.

Systemische Einordnung: Kontrolle ist Infrastruktur, nicht Moral.

Bezug: Niedriger Kontrollindex → C sinkt → H steigt.

Beispiel: Keine Beschwerdeinstanz = Kontrollindex nahe null.

4. Verfahrenslast

Definition: Die Menge an Anforderungen, die ein Verfahren auf Betroffene ausübt.

Systemische Einordnung: Hohe Last erzeugt strukturelle Ohnmacht.

Bezug: Hohe Last senkt faktisch C, weil Betroffene nicht mehr reagieren können.

Beispiel: 20 Schreiben in 14 Tagen → Verfahrenslast extrem hoch.

5. Verfahrensrisiko

Definition: Wahrscheinlichkeit, dass ein Verfahren Schaden erzeugt.

Systemische Einordnung: Risiko entsteht durch strukturelle Faktoren, nicht durch individuelle Fehler.

Bezug: Risiko steigt, wenn P/C unausgeglichen ist.

Beispiel: Einseitige Gutachterauswahl erhöht das Verfahrensrisiko.

6. Verfahrensdichte

Definition: Anzahl der Eingriffe, Maßnahmen oder Entscheidungen pro Zeiteinheit.

Systemische Einordnung: Hohe Dichte erzeugt Druck und Verzerrung.

Bezug: Hohe Dichte erhöht P und senkt C gleichzeitig.

Beispiel: Wöchentliche neue Auflagen → hohe Verfahrensdichte.

7. Verfahrenskomplexität

Definition: Anzahl der beteiligten Akteure, Regeln und Abhängigkeiten.

Systemische Einordnung: Komplexität erzeugt Blindzonen.

Bezug: Komplexität senkt C, weil niemand mehr Überblick hat.

Beispiel: Jugendamt + Gericht + Gutachter + Träger → hohe Komplexität.

8. Eskalationskoeffizient

Definition: Maß dafür, wie schnell ein Verfahren in Konflikt oder Druck übergeht.

Systemische Einordnung: Ein struktureller, kein emotionaler Parameter.

Bezug: Hoher Koeffizient = P steigt schneller als C reagieren kann.

Beispiel: Jede Nachfrage führt zu neuen Maßnahmen → hoher Koeffizient.

9. Macht‑Kontroll‑Differenz (MKD)

Definition: Die Differenz zwischen Machtprofil und Kontrollprofil eines Akteurs.

Systemische Einordnung: Die MKD ist der Kernindikator für systemischen Schaden.

Bezug: Je größer die Differenz, desto höher H.

Beispiel: Gutachter (P=hoch) + keine Qualitätsprüfung (C=niedrig) = hohe MKD.

10. Institutionelle Reibung

Definition: Energieverlust im System durch ineffiziente Abläufe, Verzögerungen oder Widersprüche.

Systemische Einordnung: Reibung ist ein physikalisches Prinzip.

Bezug: Reibung senkt C, weil Ressourcen für Kontrolle fehlen.

Beispiel: Akten müssen mehrfach angefordert werden → Reibung.

11. Institutionelle Verzögerung

Definition: Zeitliche Verschleppung von Entscheidungen oder Maßnahmen.

Systemische Einordnung: Verzögerung ist ein Machtmittel.

Bezug: Verzögerung erhöht P, weil Betroffene handlungsunfähig werden.

Beispiel: Gerichtstermin erst nach 9 Monaten.

12. Institutionelle Fehlsteuerung

Definition: Systematische Abweichung von gesetzlichen oder fachlichen Standards.

Systemische Einordnung: Fehlsteuerung ist strukturell, nicht individuell.

Bezug: Fehlsteuerung erhöht P/C‑Ungleichgewicht.

Beispiel: Jugendamt priorisiert Akten über Realität.

13. Institutionelle Überlast

Definition: Zustand, in dem eine Institution mehr Fälle hat, als sie bewältigen kann.

Systemische Einordnung: Überlast erzeugt Fehler, Verzerrung und Blindzonen.

Bezug: Überlast senkt C → H steigt.

Beispiel: Sachbearbeiter mit 80 Fällen.

14. Institutionelle Unterlast

Definition: Zustand, in dem Ressourcen falsch verteilt sind und wichtige Aufgaben liegen bleiben.

Systemische Einordnung: Unterlast ist genauso gefährlich wie Überlast.

Bezug: Unterlast erzeugt strukturelle Trägheit → C sinkt.

Beispiel: Wichtige Beschwerden bleiben unbearbeitet.

15. Institutionelle Fehlallokation

Definition: Ressourcen werden an falscher Stelle eingesetzt.

Systemische Einordnung: Fehlallokation ist ein Systemfehler.

Bezug: Fehlallokation senkt C und erhöht P.

Beispiel: Mehr Personal für Öffentlichkeitsarbeit als für Fallprüfung.

16. Institutionelle Prioritätsverschiebung

Definition: Wenn Institutionen interne Ziele über gesetzliche Aufgaben stellen.

Systemische Einordnung: Typisches Symptom institutioneller Drift.

Bezug: Prioritätsverschiebung erhöht P/C‑Ungleichgewicht.

Beispiel: Imagepflege wichtiger als Kindeswohl.

17. Institutionelle Kapazitätsillusion

Definition: Die Annahme, eine Institution könne mehr leisten, als real möglich ist.

Systemische Einordnung: Illusionen erzeugen systemische Risiken.

Bezug: Illusionen senken C, weil Fehler nicht erkannt werden.

Beispiel: „Wir schaffen das schon“ trotz Überlast.

18. Institutionelle Kompetenzillusion

Definition: Überschätzung der eigenen fachlichen Fähigkeiten.

Systemische Einordnung: Führt zu Fehlentscheidungen.

Bezug: Kompetenzillusion erhöht P, weil Kontrolle nicht gesucht wird.

Beispiel: Sachbearbeiter diagnostiziert psychische Störungen.

19. Institutionelle Verantwortungsdiffusion

Definition: Unklarheit darüber, wer für was verantwortlich ist.

Systemische Einordnung: Diffusion ist ein Machtverstärker.

Bezug: Wenn niemand verantwortlich ist, sinkt C auf null.

Beispiel: „Dafür bin ich nicht zuständig.“

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